Navigation-Tipps

Navigation auf Reisen ist immer wieder ein Thema in Reiseforen. Egal ob man per Pedes, per Rad oder mit Motorunterstützung unterwegs ist. Jeder stellt sich irgendwann die Frage: „Wie finde ich mich in fremden Ländern oder Regionen zurecht, woher bekomme ich gutes Kartenmaterial?“ Auf unseren zahlreichen Touren haben wir so ziemlich alle Varianten durchgespielt und für gut oder schlecht befunden!

Auf Wanderungen sind Karten sicher die einfachste und effektivste Art sich zu orientieren. Man sollte den Maßstab beachten und auf eine gute Grafik achten. Unsere persönliche Einschätzung ist: Alpenvereinskarten im Maßstab 1:50.000 ggf. 1:25.000 sind die besten Karten die man sich für Wanderungen anschaffen kann! Leider sind die Regionen begrenzt und die Karten sind Teuer! Die Details und die Genauigkeit sind im hochalpinen Gebiet jedoch oft von Vorteil, speziell wenn es um die Navigation bei schlechter Sicht geht!
DAV-Shop Man bekommt diese Karten mittlerweile auch Digital!

Für viele Regionen bekommt man Karten von Kompass. Wir haben auch von diesem Verlag „zwangsweise“ Karten, diese sind allerdngs weit von der Qualität der Alpenvereinskarten entfernt! Kompass-Kartenshop

Als wir 2006 angefangen haben mit dem LKW zu reisen waren Navigationsgeräte mit europaweitem Kartenmaterial nur in überschaubarem Maß verfügbar, bzw. sie ware so teuer, dass wir sie uns nicht leisten wollten! Es blieb uns nichts anderes übrig als mit Straßenkarten zu navigieren. Dies hatte den Vorteil, dass man auch mal nach dem Weg fragen musste. So kam man zwangsläufig in Kontakt mit der Bevölkerung. Wenn man allerdings in Polen mitten im Nirgendwo steht und entscheiden muss, ob nach Rechts oder Links ist ein Karte hilfreich. Auch wenn man sich die Strecke für den nächsten Tag anschauen will, ist eine Karte im Vorteil! Wir haben wenn nötig Michelin-Karten
oder Freytag und Berndt Autokarten besorgt. Die Michelin-Karten haben eine Besonderheit die, so glaube ich, einzigartig ist. Die Karten haben speziell für LKW Angaben über Breiten-, Höhen- und Gewichtsbeschränkungen!

Für unsere „große Reise“ 2009 haben wir uns dann sowjetische Generalstabskarten gekauft. Diese kann man sogar digitalisiert erwerben. KLICK
Die Karten sind sehr präzise und zeigen die kleinste Siedlung oder Fußpfade. Auch für sehr abgelegene Regionen ist Kartenmateriel vorhanden! Nachteilig könnte man die Beschriftung in kyrillisch bezeichnen. Ich habe dadurch allerdings meine Russischkenntnisse aufgebessert. Ich habe einfach die deutschen Kartenblätter angeschaut und die Städte und Dörfer die ich kenne gesucht und gelesen! Machte mir unheimlich spaß Stuttgart oder Штутгарт??? Wir haben uns die digitalisierten Karten besorgt diese sind bereits Kalibriert und wir konnten sie in einem Netbook mit Fugawi nutzen! Für die grob Richtung hatten wir ein Garmin StreetPilot mit der Worldmap. In dem Gerät gab ich oft die nächste große Stadt an die auf unserer Strecke lag und wir fanden so per Richtungspfeil z.B. aus Damskus in der Rushhour zumindest den Weg aus der Milionenstadt! Der Vorteil von Fugawi man kann auch selber eingescannte oder fotografierte Karten kalibrieren und nutzen. Sie müssen allerdings ein GPS-Gitter haben! Nachteil: Man kann nur den derzeitigen Ort bestimmen der einem auf der Karte angezeigt wird.  Aktives Routing ist nicht möglich, da die Karten nicht vectorisiert sind. D.h. die Software erkennt keine Straßen, Flüsse oder sonstige geografischen Gegebenheiten. Man kann also auch nur so gut Navigieren wie die Karte eingescannt bzw. kalibriert ist. So haben wir z.B. in der Mongolei die Reise Know How-Karte eingescannt und haben die Straße seitlich um ca. 30-100 m versetzt befahren! Da das Fugawi zur Schiffsnavigation entwickelt wurde ist es nicht 100% auf die Nutzung im Fahrzeug angepasst und dementsprechend aufwändig zu beherrschen. Es bietet eine vielzahl von Möglichkeiten, die wir sicher nicht ausgeschöpft haben. Man kann sich sicher einarbeiten, aber wenn man es nach ein paar Monaten wieder rausholt kann man von Vorne anfangen! Die Nutzung eines Net- oder Laptops im Fahrzeug ist platzmässig etwas umständlich!

Wir haben uns mittlerweile völlig umorientiert und nutzen seit Herbst 2014 ein iPad2  zur Navigation. Da unser iPad2 leider keinen GPS-Chip hat, mussten wir uns für die Offlinenavigation etwas einfallen lassen! Ich habe recherchiert und folgende Lösung gefunden: Per Cydia kann man eine Bluetooth-App installieren die Nicht-Apple-Devices akzeptiert! Als GPS-Mouse benutzen wir den Holux M-241 Logger. Witzig an dem Device ist: ´Man kann ihn per Mignonbatterie betrieben in den Rucksack werfen und man hat die Strecke bei einer Wanderung oder MTB geloggt! Die Laufzeit ist mit 12 Stunden angegeben. Man kann die NMEA Daten per Bluetooth an das iPad schicken und so die Daten in der Navigationssoftware nutzen. Da wir im LKW einen LTE-WiFi-Router betreiben, können wir auf aktuelles Googlemaps-Kartenmaterial zurückgreifen. Hier ist vollumfänglich europaweites Routing möglich! Für den Offlinebetrieb nutzen wir die App MotionX Ich persönlich finde die App absolut genial. Im Onlinebetrieb kann man sich die verschiedensten Kartendarstellungen bzw. Anbieter raussuchen: Googlemaps, Satellitenansicht, OSM, etc. pp. Um Kartenmaterial offline zur Verfügung zustellen kann man die Auflösung und einen Radius bzw. einen Korridor festlegen. Man sieht dann auch genau wie groß die Datenmenge ist bzw. wieviel Speicherplatz noch verfügbar ist! Ich habe z.B. vor unserer Marokkoreise einen Korridor neben der Autobahn Stuttgart – Genua runtergeladen der bis auf Dorfstraßenebene alles bis zu 25 km links und rechts der Autobahn abdeckte. Somit konnten wir auch noch etwaige Umleitungen einsehen! Desweiteren zog ich von gesamt Marokko die Hauptverbindungen runter. Später bei Bedarf per UMTS mit Local-PrePaid-SIM bzw. WiFi am Campingplatz, unsere Touren bis auf die Fußpfad/Pisten ebene runter! Toll ist auch die Möglichkeit Wegpunkte zu setzen wenn man nicht direkt Wege oder Straßen in den OSM-Karten sieht! Man kann z.b. im Googlemaps Hybrid-Modus oft Pisten erkennen. Damit macht man sich dann Wegpunkte im Satellitenbild. Die WP werden nach Umschalten in die OSM-Karte auch angezeigt wenn dann der Kartenausschnitt offline zur Verfügung steht, kann man sich sehr gut orientieren. Man kann das MotionX auch als Routing-Tool nutzen, was wir jedoch noch nie versucht haben. Wir sind von der Aktualität der OSM-Karten einfach begeistert. Und ich bin sicher, dass wir dieses System noch lange nutzen werden!

Nachtrag zum Holux Logger: Den Logger kann man auch nur mit dem Mini-USB-Stecker an einer Spannungsversorgung von 5 Volt betreiben! Er behält unbegrenzt die Einstellungen auch ohne eingelegte Batterie! Ich habe in einer Ablage hinter der Windschutzscheibe einen Mini-USB-Stecker eingeklebt und eine Arretierung für den Logger gebaut. So kann ich den Logger einfach auf den USB-Stecker stecken und der Logger startet mit der Aufzeichnung und stellt per USB die Koordinaten bereit! So bald ich die Spannungsversorgung unterbreche bzw. den Logger abziehe. Werden die geloggten Daten in einem Ordner mit dem aktuellen Datum abgespeichert. Der Logger kann ca. 120.000 Punkte aufzeichnen. Wenn ich mich recht erinnere lasse ich alle 500 m den Punkt aufzeichnen. Das macht m.M. mehr Sinn, als immer nach x Sekunden abzuspeichern!

Als Backup haben wir noch ein Garmin GPSmap CSx 60 welches ebenfalls aktuelle OSM-Katen enthält, die wir vor unserem Trip einspielen und auf das entsprechende Format konvertieren!

Wie haben trotz aller Technik in der Regel immer auch noch Papierkarten im Fahrzeug. Zur Streckenplanung sind Karten m.M. einfach mit nichts zu ersetzen!

Da ich keine Screeenshots der einzelnen Systeme habe, verzichte ich auf Bilder. Ich füge vielleicht mal welche ein. Ich denke jedoch, dass ich alles recht genau beschrieben habe. Hinweisen möchte ich noch auf folgendes: Jedes noch so gute System nutzt nur soweit, wie man es beherrscht! Man sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass ein Ausfall eines Gerätes unter Umständen Lebensgefährlich sein kann! Daher sollte man immer auch ein Backup und einen Notfallplan bereit halten! Hier wären wir wieder bei Karten und Kompass. Allerdings muss speziell hierfür die Navigation gelernt und geübt sein!

Desweiteren ist dies sicher nicht erschöpfend beschrieben und es gibt wie immer mehrere Wege die nach Rom führen. Leider gibt es kein vergleichbar einfach aufgebautes App für Android!

Ich schalte mal die Kommentarfunktion frei. Sicher gibt es noch andere Systeme die Interessant sind! Wäre schön wenn Erfahrungen geteilt werden!

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2 Gedanken zu „Navigation-Tipps

  1. Hallo Bernhard,

    danke für die Hinweise! DAs Montana war schonmal in meiner/unserer Überlegung. Letztendlich war es uns zu Teuer. Ein großer Nachteil für die Navigation mit Smartphones oder Tablets in freier Natur ist die Stromversorgung! Ich habe Freunde die ein Samsung Tablet im LKW nutzten und der Akku sicht trotz ständiger Einspeisung am Zigianzünder leer genuckelt hat! Was viele vergessen ist: Wenn das Display und der GPS-Chip ständig versorgt werden muss reicht die Ladung oft nicht aus die ein 0815-USB-Adapter liefert! Ich achte mittlerweile darauf, dass die Spannung 12 + 24 V sein darf und, dass der USB-Adapter mindestens 2,1 A liefert! Dazu nutze ich gute USB-Kabel von Anker! Diese Kabel gibt es z.B. bei Amazon!

  2. Hi Chris,
    schöne und ausführliche Darstellung.
    Was die „Fall-Back-Lösung“ Landkarte angeht, stimme ich Dir zu. Wo immer es geht, habe ich so eine Papierkarte dabei.
    Hab kürzlich auf ein Garmin Montana aufgerüstet, das soll wohl auch gescannte Karten können – das hab ich noch nicht probiert, meist nutze ich OSM.
    Vorteil des Gerätes: es ist (noch) portabel genug für meine Fußtouren, ich hab eine Fahrrad-Halterung und im „Lkw“ kommt die nächsten Wochen auch eine Halterung in Augenhöhe hin.
    Für die Navigation während der Fahrt überlege ich aber auch noch in Richtung Tablet, denn mit zunehmendem Alter werden die Displays immer kleiner 😉 .
    Aber da muß ich mal noch eine Weile recherchieren, denn auch da hab ich meine festen Vorstellungen. Unbedingtes Muß ist jedenfalls Offline-Navigation, denn die Datenmengen werden bei längeren Strecken schnell sehr groß und damit im Ausland sehr teuer. Und da ich meist in un- oder wenig bewohnten Gebieten unterwegs bin, fällt WLAN für mich weitgehend aus.

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